(#34) Die verborgene Bibliothek

Wir waren in Laoximen!

In Shanghai werden immer mehr alte Stadtviertel einfach platt gemacht. Zwar gibt es auch Gebäude, die unter Denkmalschutz stehen, aber vieles von dem, was uns das Alte China zeigt, wird durch Hochhäuser ersetzt – die Bewohner umgesiedelt. Um noch so viel wie möglich von dem alten Shanghai mitzuerleben, nutzen Alexandra und ich jede Gelegenheit, uns Führungen durch diese noch ursprünglichen Stadtteile anzuschließen. Gestern waren wir in Laoximen (was soviel heißt wie „Altes Westtor“). Besonders angetan hat es mir die verborgene Bibliothek. Deshalb bekommt sie einen eigenen Blogeintrag.

Das wohl älteste Haus Shanghais ist die Shu Yin Lou, die verborgene Bibliothek, verborgen hinter einer acht Meter hohen Mauer (77 Tiandeng Nong) inmitten der „Chinesenstadt“ – dem chinesischten und einem der ältesten Stadtviertel Shanghais. Von gut erhalten, kann man hier nicht wirklich sprechen. Der gesamte Gebäudekomplex ist dem Verfall mehr oder weniger freigegeben. Man kann aber noch vieles erkennen.

Empfangen werden wir am Eingang zum Garten von Madame Guo, eine Nachkommin des Guo Clans. Sie gehört gemeinsam mit 27 anderen Nachkommen, die mittlerweile über den gesamten Erdball verstreut wohnen, zu den Erben der Shu Yin Lou, dem ältesten Gebäude in der Tiandeng Nong 77. Madame Guo hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Verborgene Bibliothek vor dem Untergang zu beschützen. Sie bemüht sich seit Jahren darum, dass die Gebäude von den Behörden unter Denkmalschutz gestellt und restauriert werden. Öffentlich zugängig ist die Bibilothek nicht. Man kann sie nur als Teil einer Führung besuchen.

Die Verborgene Bibliothek wurde 1763 von dem Gelehrten und hohen Beamten der Qing Dynastie Chen Suoyun inmitten eines prachtvollen Gartens erbaut. Im Verlauf der Jahrhunderte mussten die ursprünglichen Besitzer aus finanziellen Gründen aber immer wieder Teile des Gebäudekomplexes verkaufen. Aber auch die bewegte Geschichte Chinas hat dazu beigetragen, dass heute nur noch verfallene und verfallende Gebäude übrig geblieben sind.

Weiterlesen beim Blog „SHANGHAI AND I“

Nicole ist im Mai 2019 voller Vorfreude in das Abenteuer Shanghai gestartet und hat sich Hals über Kopf in die Millionenmetropole verliebt. Seit ihrer Ankunft bloggt sie über ihre kleinen und manchmal auch größeren Unwägbarkeiten des Alltags, über die Dinge, die sie jeden Tag wieder auf’s Neue in Erstaunen versetzen und manchmal auch einfach nur über bekannte und weniger bekannte Attraktionen, Geschichte und Geschichten rund um Shanghai.


×Scan to share with WeChat