(#36) Die „Shanghai Truman Show“

Wir hatten von einem Stadtteil in Shanghai gelesen, in dem es aussehen soll wie in England!

Kennt Ihr den Film „Die Truman Show“? Alexandra und ich kamen uns heute so vor, als wären wir mitten in der „Shanghai Truman Show“ gelandet. Wir hatten von einem Stadtteil in Shanghai gelesen, in dem es aussehen soll wie in England. Wir hatten gedacht, dass es sich dabei um ein paar Häuser handeln würde. Zwei Stunden würden reichen, um sich das anzuschauen. Dachten wir.

Was wir vorfanden, war ein ganzer Stadtteil mit mehreren Straßenzügen voller Häuser im britischen Stil, umgeben von dem kleinen Flüsschen „Thames“, Brücken. Mit einer Kirche, mehreren Restaurants, Cafés und Teehäuser, dem wohl schönsten Buchladen, den ich je gesehen habe, den typischen roten Briefkästen und Telefonhäuschen sowie etliche Skulpturen und Statuen. Alles mutete extrem britisch an. Das einzige, das fehlte, sind rote Doppeldeckerbusse und schwarze Taxis.

Wir sind in Thames Town. Einer der Städte, die im Zuge der „One City, nine towns“ Initiative angelegt wurden. Die Initiative war 2001 von der Shanghaier Planungskommission initiiert worden, um der Überbevölkerung und den exorbitanten Wohnungspreisen Shanghais entgegenzuwirken. Aus den neun Städten sind jetzt sieben geworden – neben dem britischen Thames Town gibt es noch eine kanadische, eine italienische, eine deutsche, eine niederländische und eine schwedische Stadt sowie ein Nachbau von Paris inklusive Eiffelturm.

Schon an der Zugangsstraße nach Thames Town wurde deutlich, dass wir jetzt „China“ verlassen. Rechts und links der Straße stehen kleine Wachhäuschen, wie man sie auch am Buckingham Palace findet. Gleich nach der Schranke sind wir in „Großbritannien“. Lediglich an den chinesischen Schriftzeichen an den Gebäuden können wir noch erkennen, dass wir noch in China sein müssen. Die Thames, grüne Uferanlagen mit Schilf und Trauerweiden, auf denen sich Chinesen niedergelassen haben und gemütlich picknicken, liegt direkt vor uns. Über eine Brücke kommen wir in das eigentliche Stadtgebiet.

Sofort fällt auf – normales Alltagsleben gibt es hier so gut wie gar nicht. Die Stadt ist wunderschön, wirkt aber wie eine Geisterstadt. Zwar gibt es einen Supermarkt und zahlreiche Boutiquen, aber hinter den Fenstern der Wohnhäuser ist kein Leben. Die Häuser wirken wie ausgestorben. Auf den Straßen sind kaum Menschen und wenn dann sehen sie so aus, als machten sie einen Tagesausflug. Touristen von außerhalb Chinas sind keine da. Nur Alexandra und ich.

Weiterlesen beim Blog „SHANGHAI AND I“

Nicole ist im Mai 2019 voller Vorfreude in das Abenteuer Shanghai gestartet und hat sich Hals über Kopf in die Millionenmetropole verliebt. Seit ihrer Ankunft bloggt sie über ihre kleinen und manchmal auch größeren Unwägbarkeiten des Alltags, über die Dinge, die sie jeden Tag wieder auf’s Neue in Erstaunen versetzen und manchmal auch einfach nur über bekannte und weniger bekannte Attraktionen, Geschichte und Geschichten rund um Shanghai.


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