(#37) Schulmädchen im Schlachthof

1933, noch vor der Machtergreifung der Kommunisten, entstand in Shanghai das damals größte Schlachthaus Asiens!

Weil mein Mann während der Woche arbeiten muss, ist es meine Aufgabe, mir für die Wochenenden sehenswerte Ziele auszusuchen. Dieses Wochenende war die Wahl auf das 1933, wie es schlicht heißt, gefallen. Um den Ausflug mit ein wenig körperlichen Betätigung zu verbinden, mit dem Fahrrad. Ich hatte die Adresse rausgesucht, meine App angeschmissen und los ging’s. Das Navi und ich sind uns nicht immer so grün. Weil ich nicht immer die gleichen Wege fahren möchte, weiche ich gerne mal von der Route ab. Das Navi verliert mich dann leider. Dieses Mal ging’s. Am Ziel angekommen, sah es aber definitiv nicht nach einem Schlachthaus aus. Eher nach einem Krankenhaus. (Alle eventuellen Assoziationen eurerseits weise ich zurück!) Gerade noch so stolz, mit dem Navi zurechtgekommen zu sein, war ich plötzlich verwirrt.

Dann fiel es mir wie Schuppen von den Augen. Anfängerinnenfehler! Ich hatte die Straße falsch geschrieben. Offensichtlich war ich mir meiner Sache zu sicher gewesen. Statt „Liyang“ hatte ich „Liyuan“ eingegeben. Ich finde, das war von den Buchstaben her schon ziemlich nah dran. Leider liegen die Straßen aber nicht nah beieinander. 45 Minuten später waren wir dann am richtigen Ziel. Aber obwohl es ein riesiges Gebäude ist, sind wir fast dran vorbei gefahren. Es steht nicht direkt an der Straße und springt einen daher nicht wirklich an.

Entworfen von dem britischen Architekten Andrew Balfour ist das im schaurige schönen Gotham-Deco Stil erbaute Gebäude aus Beton, Glas und Stahl weltweit das einzige noch erhaltene seiner Art. Von außen ist es schon gigantisch. Betritt man es, meint man sich in einem Gemälde von M.C. Escher verlaufen zu haben. Vier Etagen, 26 Brücken, vier Veranden, diverse Rampen, offene und verborgene Treppen und spiralförmige Aufgänge und über 300 gotische Säulen. Alles so designt, dass sich hier tausende Arbeiter ihren Arbeitsplatz und Millionen Rinder den Tod finden konnten.

Weiterlesen beim Blog „SHANGHAI AND I“

Nicole ist im Mai 2019 voller Vorfreude in das Abenteuer Shanghai gestartet und hat sich Hals über Kopf in die Millionenmetropole verliebt. Seit ihrer Ankunft bloggt sie über ihre kleinen und manchmal auch größeren Unwägbarkeiten des Alltags, über die Dinge, die sie jeden Tag wieder auf’s Neue in Erstaunen versetzen und manchmal auch einfach nur über bekannte und weniger bekannte Attraktionen, Geschichte und Geschichten rund um Shanghai.


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