(#46) Bambusblätter oder doch Chilischoten?

Ich liebe die chinesische Tuschemalereien, die mit wenigen Strichen so viel Leben einfangen können!

Regina, meine persönliche China-Expertin, hatte bei Mr. Chen, einem chinesischen Künstler, Kalligraphieunterricht genommen. Da Mr. Chen auch in chinesischer Malerei unterrichtet, wollte ich es wissen und habe ich eine Privatstunde gebucht. Natürlich nicht alleine, sondern in Begleitung von zwei weiteren Frauen.

Schon auf der Straße fing uns Mr. Chen ab, denn das Atelier zu finden ist nicht so ganz einfach. Durch einen dunklen Eingang und ein noch dunkleres Treppenhaus ging es bis ganz nach oben und hier in einen kleinen aber sehr gemütlichen Raum. In der Mitte zwei Tische mit vier Stühlen, an den Wänden vollgestopfte Regale, ein Sofa, ein Bett und in der Mitte eine Staffelei. Mehr Platz gab es auch nicht. Wer saß, saß. Aufstehen wurde zur strategischen Herausforderung. Aber zum Malen mit Tusche sitzt man ja auch. Also alles ok.

Nachdem Mr. Chen uns facettenreich aus seinem Leben und seinen Bezug zu Deutschland erzählt hatte, ging es an die Pinsel. Wir sollten versuchen, Bambusblätter zu malen. Immer begleitet von weiteren Anekdoten und Erzählungen aus Mr. Chens Leben. Wir wissen jetzt, dass er einen Sohn in Bonn hat. In Bulgarien eine Freundin. Dass er längere Zeit mit der Freundin bei deren Mutter gelebt hat. Den Rest habe ich vergessen.

Was super einfach aussieht und sich auch super einfach anhört: „Erst mit der Spitze einen dünnen Strich ziehen, dann den Pinsel fester auf das Blatt drücken und zum Ende hin wieder leichter.“, ist definitiv nicht einfach. Meine Bambusblätter sahen entweder aus wie Chilischoten oder Erbsen oder einfach nur wie ein zerflätterte Irgendetwas oder wie Hühnerfüße. Der Interpretation sind keine Grenzen gesetzt. Eines nur ist sicher, wie Bambusblätter sehen meine Bambusblätter nicht aus. Gerne würde ich behaupten, dass das, was ich produziert habe, nach einiger Übung wie Bambusblätter aussah, aber dem ist definitiv nicht so.

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Nicole ist im Mai 2019 voller Vorfreude in das Abenteuer Shanghai gestartet und hat sich Hals über Kopf in die Millionenmetropole verliebt. Seit ihrer Ankunft bloggt sie über ihre kleinen und manchmal auch größeren Unwägbarkeiten des Alltags, über die Dinge, die sie jeden Tag wieder auf’s Neue in Erstaunen versetzen und manchmal auch einfach nur über bekannte und weniger bekannte Attraktionen, Geschichte und Geschichten rund um Shanghai.


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