(#48) Das bekannteste geheime Museum

Es gehört laut Trip Advisor zu den fünf besten Museen Chinas. In jedem Reiseführer wird es empfohlen!

Angeblich kennen es aber nur wenige Chinesen und wer es besuchen möchte, muss daher schon eine detektivische Veranlagung mitbringen.

Mein Fahrradnavi sagt, dass wir da sind. Der Straßenname stimmt. Die Hausnummer stimmt. Etwas verloren stehen wir vor einem Compound mit zahlreichen Hochhäusern. Am Eingangstor sind schwer leserliche Schildern angebracht. Erst beim sehr genauen Hinschauen können wir sehen, dass auf einem roten Schilder rot in roter Schrift geschrieben steht: Propaganda Poster Museum – Haus 4. Gefunden! Oder doch nicht? Haus Nr. 4, eines der Hochhäuser – alles ganz gewöhnliche Wohnhäuser, ist dann noch mal eine kleine Herausforderung. Auch hier nur ein klitzekleines Schild und im Haus der Hinweis, dass wir in den Keller müssen. Jetzt aber!

Durch einen Plastikvorhang betreten wir die größte Propaganda Poster Ausstellung Chinas. Ach was, die größte Propaganda Poster Ausstellung der Welt! Der Ausstellungsbereich erstreckt sich über drei unspektakuläre Kellerräume. Kein Tageslicht. An den Wände ist jeder freie Millimeter genutzt. Überall, auch auf dem Boden an die Wand gelehnt: Poster, Kalenderblätter aber auch der ein oder andere Wandteppich. Viele sind nur in Folie eingeschweißt, andere gerahmt. Alles ist chronolisch aufgebaut und jedes Exponat mit Datum und einer ausführlichen Beschreibung auf Mandarin und Englisch versehen. Das älteste geht in die späten 1940er zurückgehen. In die Zeit, als Mao an die Macht kam (1949 – 1976). Die neuesten sind aus den frühen 80ern.

Am Anfang des „Rundgangs“ erfahren wir, dass in den 80er Jahren, als China sich langsam öffnete, alle Propaganda Poster, die bis dahin an den Wänden der Regierungsgebäude, Museen, Büchereien und Kulturzentren gehangen hatten, entsorgt werden sollten. Yang Pei Ming ist es zu verdanken, dass so viele noch erhalten sind. Es fing damals damit an, die Poster zu sammeln und legte so den Grundstein für seine mittlerweile 6.000 Poster umfassende Sammlung. Die meisten seiner Poster fand er in Shanghai, wo ein Großteil im Auftrag der Regierung und teilweise sogar auf direkten Befehl von Maos Frau von Künstlern gemalt worden waren.

Weiterlesen beim Blog „SHANGHAI AND I“

Nicole ist im Mai 2019 voller Vorfreude in das Abenteuer Shanghai gestartet und hat sich Hals über Kopf in die Millionenmetropole verliebt. Seit ihrer Ankunft bloggt sie über ihre kleinen und manchmal auch größeren Unwägbarkeiten des Alltags, über die Dinge, die sie jeden Tag wieder auf’s Neue in Erstaunen versetzen und manchmal auch einfach nur über bekannte und weniger bekannte Attraktionen, Geschichte und Geschichten rund um Shanghai.


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