(#50) Die Taxifahrer, die Polizei und ich

„100 Yuan!“

Jetzt muss ich Euch doch noch mal von meiner Nacht mit den Taxifahrern erzählen. Ich war so sauer! Aber von vorne. Vergangenen Donnerstag war ich mit einer Freundin bis recht spät in Pudong (also jenseits des Flusses) unterwegs. Pudong ist der neue Teil von Shanghai und noch bis vor ein paar Jahren sagten die echten Shanghainese: „Lieber ein Bett in Puxi als eine Villa in Pudong.“ Aber mittlerweile ist Pudong voll integriert. Man kann dort wunderbar abends ausgehen und den Blick auf den alten Bund genießen.

Zurück zu meiner eigentlichen Geschichte: Recht spät in Shanghai ist so was wie 22:30 Uhr, denn ab 23:00 Uhr fahren keine U-Bahnen mehr. Wir haben noch hin und her überlegt, ob das mit der Metro klappt oder ob ich mir lieber ein Didi (die chinesische Ausgabe von Uber) bestellen sollte. Ich habe mich dann aber für die Metro entschieden.

Also ich strammen Schrittes zur Metro und tatsächlich habe ich noch eine Bahn erwischt. Sie war extrem leer. Nur sehr vereinzelt waren da ein paar Männer. Am People’s Square war dann auch Schluss. Weiter kam ich nicht. Der Eingang zu meiner Linie war schon verbarrikadiert. Keine andere Nation kann Wege so gut absperren wie die Chinesen! Auch im Normalbetrieb stehen überall Absperrungen, die die Menschenmassen leiten.

Noch war ich der Meinung: „Kein Problem. Dann nehme ich einfach von hier aus ein Taxi nach Hause.“ Didi bestellen kann ich noch nicht. Meine App ist auf chinesisch. Meine wenigen chinesischen Wörter bringen mich hier nicht weiter.

Tatsächlich standen aber schon etliche Taxis direkt am Ausgang. Klar, ich war nicht die Einzige, die ein Taxi brauchte. In weiser Voraussicht hatte ich schon meine Adresse in chinesischen Schriftzeichen rausgesucht und hielt diese, hinter meiner Maske freundlich lächelnd, einem Taxifahrer ins Gesicht. Der lächelte mindestes genau so freundlich und meinte:

„100 Yuan.“

Jetzt muss man wissen, dass die Fahrt normalerweise irgendwas um die 25/30 Yuan kostet. Mir fiel also mein Lächeln aus dem Gesicht.

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Nicole ist im Mai 2019 voller Vorfreude in das Abenteuer Shanghai gestartet und hat sich Hals über Kopf in die Millionenmetropole verliebt. Seit ihrer Ankunft bloggt sie über ihre kleinen und manchmal auch größeren Unwägbarkeiten des Alltags, über die Dinge, die sie jeden Tag wieder auf’s Neue in Erstaunen versetzen und manchmal auch einfach nur über bekannte und weniger bekannte Attraktionen, Geschichte und Geschichten rund um Shanghai.