(#60) Walnüsse – wertvoller als Gold

Aber warum Walnüsse? Ich habe mich mal schlau gemacht!

#Wer mal einige Zeit in China gelebt hat, wird Walnüsse mit anderen Augen betrachten. Auch ich hätte mir nie träumen lassen, mal ein Armband aus Walnüssen oder überhaupt Nüssen tragen zu wollen. Aber irgendwie habe ich sie im vergangenen Jahr lieb gewonnen und daher jetzt stolze Besitzerin von gleich drei Armbändern.

In der vergangenen Woche wurde verkündet, dass der Insektenmarkt, einer der letzten seiner Art in Shanghai, jetzt auch geschlossen wird. Dieser Markt, der bei Touristen und Expats sicherlich auf sehr unterschiedliche Emotionen stößt. Die einen, die ihn verachten und meiden, weil die Tier dort alles andere als artgerecht gehalten werden. Die anderen, die einfach nur interessiert das „Exotische“ betrachten. Aber auf dem Insekten Markt gibt es noch mehr als „nur“ Insekten und Haustiere. Hier gibt es auch alles Mögliche rund um die Nuss. In erster Linie Walnüsse. Große Nüsse, kleine Nüssen. Einzelne Nüsse, Armbänder aus Nüssen. Helle, dunkle. Einfache Nüsse oder auch kunstvoll geschnitzte. You name it!

Aber warum Walnüsse? Ich habe mich mal schlau gemacht.

Das Walnusskreisen ist in China seit Jahrtausenden eine Tradition. Schon während der Han Dynastie vor mehr als 2.000 Jahren, haben sich die Menschen als eine Art Therapie mit kreisenden Walnüssen die Hände massiert. Die Walnusstherapie soll die verschiedenen Akupunkturpunkte in den Händen und somit den Blutkreislauf anregen. Je länger man Walnüsse in den Händen kreisen lässt, desto rötlicher und glänzender wird die Schale, was wiederum ihren Wert steigert. Besondern gut geeignet sind dafür wilde Walnüsse, da ihre Schale rauer und härter ist als die der kultivierten Walnüsse. Es ist jetzt aber nicht so, dass die Nüsse von den Bäumen quasi direkt auf den Verkaufstisch fallen. Bevor eine Nuss verkauft werden kann, durchläuft sie einen längeren Prozess. Im ersten Schritt wird sie vorsichtig geöffnet und von ihrem Gehäuse befreit. Im nächsten Schritt werden die Schalen in Wasser getränkt, dann wieder zusammengesetzt und poliert. Das Innere, der Kern also, spielt bei der ganzen Angelegenheit gar keine Rolle.

Bis 2014, zur Hochzeit der Walnüsse, waren diese wertvoller als Gold. Je größer und dunkler eine Nuss, desto wertvoller ist sie. Eine einzige Walnuss hat damals schon mal für bis zu 20.000 Euro ihren Besitzer gewechselt. Es gibt auch die Geschichte der Bauern aus Laishui, die noch bis vor wenigen Jahren in großer Armut gelegt haben und sich mehr schlecht als recht mit dem Anbau von Weizen und Mais über Wasser gehalten haben. Dann kam aber die Walnuss in ihr Leben und seit sie in ihrem Dorf nur wenige Stunden von Peking entfernt Walnüsse züchteten, könnten sie sich importierte Autos, Urlaube und sogar Wohnungen in der Stadt leisten.

Das alles nur, weil die Walnuss in China zu einem Sammlerobjekt ja sogar Statussymbol avanciert war. Früher, aber auch durchaus noch heute verschenkte man Walnüsse. Die schier unglaubliche Zahl neureicher Chines*innen trug ihren Teil zu dieser Wertsteigerung bei. Diese waren es wohl auch, die die Walnuss anfingen vermehrt als Schmuck zu tragen. Interessanterweise hauptsächlich die Männer. Es gab sogar Investoren, die sich von Walnüssen eine größere Wertsteigerung erhofften als von Banknoten. Selbstverständlich eignen sich Walnüsse aber auch für das Glücksspiel. Die Walnüsse werden dafür zu einem festgelegten Preis, aber noch von ihrer grünen Schale umhüllt, verkauft. Erst nach dem Bezahlen, dürfen sie geschält werden und auch erst danach weiß man, ob sich die Investition gelohnt hat.

Ursprünglich dachte ich, dass ich meinen Mädels in Deutschland je eins mitbringe. Aber … sorry Mädels, diese hier bleiben im meinem Besitz. Ich muss wohl noch mal los! Bis Ende Juli habe ich noch Zeit. Zumindest wenn ich sie dort kaufen möchte, wo ich meine erstanden habe. Also Bestellungen werden entgegen genommen!

Nicole ist im Mai 2019 voller Vorfreude in das Abenteuer Shanghai gestartet und hat sich Hals über Kopf in die Millionenmetropole verliebt. Seit ihrer Ankunft bloggt sie über ihre kleinen und manchmal auch größeren Unwägbarkeiten des Alltags, über die Dinge, die sie jeden Tag wieder auf’s Neue in Erstaunen versetzen und manchmal auch einfach nur über bekannte und weniger bekannte Attraktionen, Geschichte und Geschichten rund um Shanghai.


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