(#61) Cappuccino aus dem Drucker

Was gibt es schöneres, als das Nützliche mit dem Schönen zu verbinden?

Gestern hatten Alexandra und ich mal wieder die Gelegenheit dazu. Wir hatten einen etwas anstrengenden Vormittag hinter uns. Ich habe mir eine klitzekleine Kamera zugelegt, damit ich Euch bald auch noch mit kleinen, umprofessionellen Videos uns mir nerven kann. (Die professionellen kommen von Alex.) Um das Optimum rauszuschlagen waren auf dem Fotoequipment Markt gewesen und ich hatte hart verhandelt. Klar, dass wir danach unbedingt noch einen Kaffee brauchten. Vorzugsweise einen nützlichen Cappuccino mit besonders schönem Schaum.

Schon im vergangenen November (!) hatte Alex eine Liste mit Café entdeckt, in denen es ganz besondere Cappuccinos geben sollte. Das eine oder andere hatte ich/hatten wir schon besucht, aber unser Favorit war noch nicht dabei gewesen. Ein Cappuccino mit Pikachu darauf. Kennt Ihr noch Pikachu? Das kleine Pokemon? Immer, wenn ich dieses gelbe Wesen sehe, muss ich an meine Söhne denken. Die haben die Pokemons geliebt. Die Karten gesammelt und mit Freunden getauscht. Die Filme in Dauerschleife gesehen und sämtliche Pokemon mit ihrem Nintendo gefangen.

Gestern war also endlich der Tag gekommen, an dem wir versuchen wollten, einen Pikachu-Cappuccino zu bekommen. Da Shanghai so unglaublich schnelllebig ist und ein originelles Café genau so schnell verschwindet, wie es entstanden ist, waren wir uns nicht ganz sicher, ob es noch da sein würde. Tatsächlich. Es war noch da und auch ganz einfach zu finden. Wir also rein und gefragt, ob sie noch immer den Pikachu-Cappuchino servieren würden. Ja!

Die Spannung stieg bei uns beiden. Wir wollten natürlich unbedingt wissen, wie das Bild von Pikachu jetzt auf den Cappuccino kommen würde.

Zunächst konnten wir uns auf einem Computerbildschirm ein Motiv aussuchen. Denn es gibt sehr viel mehr als nur Pickachu. Unter anderem auch Micky Maus. Die Bedienung signalisierte uns, dass wir uns setzen sollten, aber ich hatte ja meine neue Kamera. Ich habe alles gefilmt. Es könnte mein erstes Filmchen werden! Ich arbeite noch dran.

Espresso in die Tasse, Milchschaum drauf und dann wurde die volle Tasse auf eine Vorrichtung gestellt, die langsam nach oben fuhr, kurz verschwunden war, um kurze Zeit später wieder wie von Wunderhand mit dem gewünschten Motiv aufzutauchen. Es sind kleinen Kunstwerke – gestochen scharf, mit klaren, kräftigen Farben. Aber es sind vergängliche Kunstwerke, die auch noch schmeckten.


Nicole ist im Mai 2019 voller Vorfreude in das Abenteuer Shanghai gestartet und hat sich Hals über Kopf in die Millionenmetropole verliebt. Seit ihrer Ankunft bloggt sie über ihre kleinen und manchmal auch größeren Unwägbarkeiten des Alltags, über die Dinge, die sie jeden Tag wieder auf’s Neue in Erstaunen versetzen und manchmal auch einfach nur über bekannte und weniger bekannte Attraktionen, Geschichte und Geschichten rund um Shanghai.