(#71) Das (bisher) schönste versteckte Café

In der vergangenen Woche war ich mal wieder mit Ines unterwegs. Sie hatte zwei Cafés rausgesucht!

Da ich mich nicht entscheiden konnte, beschlossen wir beide zu besuchen. Kaffee bzw. Tee geht immer. Aber es sollte anders kommen. Ich habe mich gleich in das erste Café so verliebt, dass ich hier gar nicht mehr weg wollte.

Das Ban She liegt versteckt in einer Lane in der Nanchang Lu. Nicht weit von uns entfernt. Von außen sieht man mal wieder GAR nichts. Es ist eine Lane wie es so viele hier in Shanghai gibt. Ein wunderschön verziertes Eisentor in einem steinernen Torbogen eingefasst, rechts ein Häuschen für den Guard, gleich dahinter in die Wand eingefasste Mülltonnen und ein Haus neben dem anderen. Was diese Lane aber schon auf den ersten Blick so einladend macht, sind die vielen Blumentöpfe mit Palmen, Efeu, Bambus, aber auch einigen Blumen. Dazwischen kleine und größere Kunstwerke aus Holz. Alles macht einen sehr einladenden Eindruck.

Gleich um die erste Ecke nach rechts, durch einen kleinen Torbogen hindurch liegt das Café. Schon der Eingang sieht so einladend aus. Eine große Fensterfront mit hölzernen Fenstergittern, davor ein kleiner Tisch mit zwei Stühlen, ein kleiner Brunnen und noch mehr Pflanzen.

Als ich mit Ines da war, waren wir die ersten Besucherinnen. Ines hatte schon gesagt, dass der Betrieb in diesem Café gegen 13 Uhr beginnt und sie hatte recht. Kurz nachdem wir angekommen waren, füllte sich das Ban She. Aber es wurde nicht laut. An allen Tischen wurde leise gesprochen. Sehr besonders, wenn man weiß, dass es normalerweise da, wo sich viele Chines*innen treffen, eher laut zugeht. Heute war ich noch mal mit meinem Mann da. Wir hatten Glück, dass noch ein Platz frei war.

Das Café hat nur sechs Tische. Also nicht wirklich viel Platz für viele Besucher*innen, aber dennoch läuft hier alles über WeChat. Wer bestellen möchte, muss einen QR-Code scannen, der einen dann auf die Menükarte führt. Hier kann man auswählen, wie bei einer Onlinebestellung alles in einen virtuellen Warenkorb legen und selbstverständlich auch gleich zahlen. Ines kann ziemlich gut chinesisch. Mit ihr war das also kein Problem. Heute, ohne Ines, war es spannender. Ich habe einfach mal auf die Kästchen gedrückt, von denen ich meinte, dass sie die richtigen sein müssten und tatsächlich, ich hatte offensichtlich bezahlt, denn ich bekam eine Servicemeldung darüber und …. wir bekamen unseren Tee und Kaffee. Der Kaffee kommt hier ganz profan, wie in jedem anderen Café auch, aber der Tee wird zelebriert.

Zu jeder Bestellung kommt eine kleine Kochplatte, auf der das Wasser immer wieder aufgekocht werden kann. Man bekommt ein kleines hölzernes Teetablett, eine „Fairnesscup“, eine kleine Teetasse, einen Sieb und diese süße kleine weiße Tasse mit Deckel, in der man den Tee ziehen lassen kann. Ich hätte hier Stunden verbringen können und das haben wir dann auch. Immer wieder den Tee frisch aufgießen, staunen, quatschen. Könnt Ihr Euch vorstellen, dass ich den Besuch des zweiten Cafés erstmal verschoben habe?!

Nicole…

… ist im Mai 2019 voller Vorfreude in das Abenteuer Shanghai gestartet und hat sich Hals über Kopf in die Millionenmetropole verliebt. Seit ihrer Ankunft bloggt sie über ihre kleinen und manchmal auch größeren Unwägbarkeiten des Alltags, über die Dinge, die sie jeden Tag wieder auf’s Neue in Erstaunen versetzen und manchmal auch einfach nur über bekannte und weniger bekannte Attraktionen, Geschichte und Geschichten rund um Shanghai.