(#73) Kirchentour in Zeiten von Corona

Gestern wollte ich es wissen. Ich habe meinen Mann gezwungen, mit mir auf Entdeckungstour zu gehen!

Er glaubt doch tatsächlich, dass Alex und ich Spaß haben, wenn wir zusammen durch Shanghai ziehen. Dass es sich dabei um harte Recherchearbeit handelt, wollte er nicht wahr haben. Bisher. Gestern habe ich ihn eines besseren belehrt.

Ich hatte eine Radtour ausgearbeitet, auf der wir acht Kirchen würden besichtigen können. Alle, die meinen Blog verfolgen, werden jetzt wahrscheinlich schon vor Mitleid mit meinem Mann zerfließen. „Der Arme! Die Frau verfährt sich doch nur!“ Aber nein. Ich kann Euch alle Lügen strafen. Ich habe mich nicht verfahren. Ich kam bei jeder Kirche an. Ohne Umwege. Selbst bei den ganz versteckten. Das Problem lag an einer ganz anderen Stelle.

Pure Heart Kirche

Unser erstes Ziel war die „Pure Heart Church“ – ehemals bekannt als „The First Presbyterian Church of Shanghai„. Sie zu finden war relativ einfach. Es gibt ein großes Schild, das auf die Kirche hinweist. Sie gehört angeblich zu den innovativsten Kirchen Shanghais.

Erstmals errichtet wurde sie 1860 von vier Missionaren. Untern ihnen Reverend Lowrle von der nordamerikanischen presbyterianischen Mission. Um die Kirche herum, eröffneten der Missionar John Marshall Willoughby Farnham und seine Frau im darauffolgenden Jahr das Lowrie Institut, auch bekannt als das Qingxin Shuyuan. Während des Krieges kümmerte man sich hier um vertriebene Kinder und um die Kinder lokal ansässiger Christen und der Name der Kirche wurde in Qingxi Church geändert.

Auf Initiative von Rev. Li Hengchun wurde die Kirche aus dem Institut gelöst. Mit Spendengeldern wurde ein Stück Land gekauft und mit dem Bau der Kirche an ihrem heutigen Standort begonnen. Am Neujahrstag 1923 konnte der erste Gottesdienst in der neu errichteten Kirche stattfinden.

Während der Kulturrevolution war die Kirche geschlossen, war aber 1979 Chinas zweite Kirche, die ihre Pforten wieder für Gläubige öffnete. 1992 wurde sie grundsaniert.

Leider konnten wir sie nur von außen anschauen. Wegen Corona sind noch immer viele Kirchen geschlossen. Ich hoffe aber sehr, dass ich, wenn dieser ganze Corona-Spuk vorbei ist, noch mal die Gelegenheit bekomme, reinzugehen.

St. Francisco Xavier’s Kirche

Unser nächstes Ziel lag nur etwa einen halben Kilometer entfernt – in Richtung Bund. Als wir in die Straße einbogen, war ich mir nicht mehr ganz so sicher, ob es diese Kirche wohl noch geben würde. Um es gleich vorweg zu nehmen. Es gibt sie noch, aber man kann sie nicht besuchen. Sie liegt mitten in einer gigantischen Baustelle. Um sie herum werden mindestens sechs, wenn nicht mehr, Hochhäuser gebaut und die Kirche selbst scheint auch Bauarbeiten unterzogen zu werden.

Die St. Francisco Xavier’s Kirche, auch bekannt als Dongjiadu Kathedrale, ist die einzige Kirche Shanghais im spanischen Barock. Ihr Vorbild: die Il Gesú Kirche der Jesuiten in Rom Im Jahr 1853 von spanischen Jesuiten erbaut, ist sie die erste von Ausländern errichtete katholische Kirche.

Leider war es unmöglich, die Kirche zu besichtigen, aber sie muss wirklich einen Besuch wert sein. So soll es in ihrem Innen Gemälde bekannter westlicher und chinesischer Künstlern geben, Maria und Joseph in lokaler chinesischer Kleidung, aber auch die Fassade muss sehr schön sein. Zumindest sehen die Fotos toll aus. Ich bleibe dran!

Weiterlesen beim Blog „SHANGHAI AND I“


Nicole…

… ist im Mai 2019 voller Vorfreude in das Abenteuer Shanghai gestartet und hat sich Hals über Kopf in die Millionenmetropole verliebt. Seit ihrer Ankunft bloggt sie über ihre kleinen und manchmal auch größeren Unwägbarkeiten des Alltags, über die Dinge, die sie jeden Tag wieder auf’s Neue in Erstaunen versetzen und manchmal auch einfach nur über bekannte und weniger bekannte Attraktionen, Geschichte und Geschichten rund um Shanghai.