(#75) Der Bulle vom Bund

Der Charging Bull („Stürmender Bulle“) am Bund erinnert stark an den Bullen in der Wall Street in New York!

Nicht verwunderlich, denn beide Bullen wurde von dem selben Künstler erschaffen.

Der Künstler Arturo Di Modica hatte die 3.200 Tonnen schwere Bronzestatue für New York als Reaktion auf den Börsencrash von 1987 geschaffen. Damals noch ein wenig bekannter Künstler, hatte er geplant, den Bullen heimlich am 15. Dezember 1989 als quasi Mahnmal vor dem Börsengebäude aufzustellen. Da die Polizei an dieser Stelle sehr eng getaktet Streife läuft, hatte er ausgerechnet, für die gesamte Aktion lediglich vier Minuten Zeit zu haben. Alles war organisiert. Leider war aber die Straße gesperrt, weil just an diesem Tag ein riesiger Weihnachtsbaum installiert worden war. Kurzerhand hat Di Modica den Bullen einfach unter den Weihnachtsbaum „gelegt“.

Verständlich, dass die Nachricht von diesem ungewöhnlichen Geschenk schnell ihren Weg in die internationale Presse gefunden hat. Dennoch wurde der Bulle noch am gleichen Abend wieder entfernt und an seinen jetzigen Ort gestellt.

Weniger spektakulär fand der Charging Bull Shanghais seinen Platz am Bund. Viele sehen in der Position, wie er am Bund aufgestellt wurde, jedoch den „Stinkfinger“, den China dem Westen – in erster Linie aber den USA – zeigt.

Mit seinen 2,5 Tonnen ist er etwas leichter als sein amerikanischer Bruder. Ansonsten sind die zwei fast identisch. Der chinesische Bulle soll laut Arturo Di Modica allerdings „röter, jünger und stärker“ sein.

Durch die Guerrillaaktion in New York zu Ruhm gekommen, konnte Di Modica es sich leisten, Shanghai seinen Bullen ebenfalls zu schenken. Enthüllt am 15. Mai 2010, kurz nach der Weltwirtschaftskrise und kurz vor der Weltausstellung in Shanghai, steht Di Modicas Statue für die wachsende Virulenz und wirtschaftliche Kraft Chinas. Seine Hoden in die Hand zu nehmen, soll Glück bringen.

Die beiden Bronzeskulpturen in New York und Shanghai haben übrigens noch zwei weitere Artgenossen. Einen vor der Börse in Amsterdam und einen vor der in Singapur.

Nicole…

… ist im Mai 2019 voller Vorfreude in das Abenteuer Shanghai gestartet und hat sich Hals über Kopf in die Millionenmetropole verliebt. Seit ihrer Ankunft bloggt sie über ihre kleinen und manchmal auch größeren Unwägbarkeiten des Alltags, über die Dinge, die sie jeden Tag wieder auf’s Neue in Erstaunen versetzen und manchmal auch einfach nur über bekannte und weniger bekannte Attraktionen, Geschichte und Geschichten rund um Shanghai. Ende Juli 2020 hat Nicole mit schwerem Herzens Shanghai verlassen. Aber nicht für immer. Sie hat in der Stadt wunderbare Freundschaften geschlossen und es gibt noch so viel zu entdecken .



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