(#84) Quarantänetage – Bye Bye Shanghai, Hello Singapore

Ja, ihr lest richtig. Ich bin dann mal weg!

Was aber nicht heißt, dass ich nicht noch weiter über Shanghai schreiben werde. Ich habe im vergangenen Jahr so viele Eindrücke sammeln dürfen, dass ich noch lange nicht fertig bin mit meinen Berichten. Außerdem komme ich zurück! Sobald die Grenzen wieder offen sind, bin ich wieder da. Meine Liste ist noch lange nicht abgearbeitet und außerdem …. ich kann Alex doch nicht alleine in dieser großen Stadt lassen!

Aber erst mal bin ich weg und in Quarantäne. Am vergangenen Freitag war es so weit. Donnerstag hatten wir noch mal tüchtig gefeiert – sofern man einen Abschied feiern kann – und Freitag war dann letzte Sachen packen, Übergabe unseres Apartments und Abflug angesagt.

Das meiste hatte ich schon per Luft- bzw. Seefracht auf den Weg gebracht, was sich am Freitag dann an einer Stelle als ungeschickt herausstellen sollte. Wir haben das vergangenen Jahr in einem Serviced Apartment gelebt. Das bedeutet, dass wir hier alles vorgefunden haben, was man so zum Leben braucht. Teller, Besteck, Töpfe und und und. Selbstverständlich war das aber nur eine Grundausstattung und ich hatte noch das eine oder andere dazu gekauft. Beim Einpacken ist es mir dann dummerweise passiert, dass ich etwas mehr eingepackt habe, als ich dazu gekauft hatte. Bei der Kontrolle fiel das auf. War nur eine Metallschüssel, aber trotzdem blöd. Weg ist weg. Muss bezahlt werden. Aber ich schwöre Euch, diese Schüssel bekommt einen Ehrenplatz in meiner Küche!

Nach der Übergabe sind wir mit dem Fahrer meines Mannes und Joy, seine Assistentin und meine „chinesische Tochter“, essen gegangen. Joy hatte große Angst, dass wir auf dem Flug nichts zu Essen bekommen würden. Sie war nur zu beruhigen, indem wir uns die Bäuche voll schlugen.

Dann der große Abschied. Alex war noch mal gekommen, um einige Sachen zu übernehmen. Was soll ich sagen. Wer meinen Blog verfolgt hat, kann sich vorstellen, das war nicht einfach. Schon gar nicht jetzt, da wir nicht wissen, wann ich wieder nach Shanghai bzw. sie nach Singapur darf.

Am Flughafen angekommen wurde es dann richtig herausfordernd. Wir brauchten 1,5 Stunden am Schalter, bis die Airline bereit war, uns mitzunehmen. 1,5 Stunden, in denen wahlweise Joy, unser Fahrer oder ich in Tränen ausgebrochen sind. 1,5 Stunden, während derer ich immer mal wieder hoffte, dass sie uns nicht mitnehmen würden.

17:00 Uhr saßen wir aber im Flieger und um 23:00 Uhr waren in Singapur in Quarantäne.

Leider hatten wir vergessen, am Flughafen Geld zu ziehen. Wahrscheinlich wäre es als Corona-Verdächtige auch schwierig gewesen. Gut, dass wir in einem Serviced Apartment sitzen, in dem das Frühstück inklusive ist. Unsere erste Mahlzeit war also schon mal gesichert und wir haben einfach ganz viel bestellt, waren also erst mal satt. Abends haben wir dann all unser Singapur Geld zusammen gekratzt. Für’s Abendessen hat’s gereicht.

Die Herausforderung kam dann am Sonntag. Weder die Kreditkarte meines Mannes, noch meine hat mit der App funktioniert. Lebensmittel online bestellen ging, aber in Singapur geht das nicht so schnell wie in Shanghai. Nichts mit Lieferung am gleichen Tag. Sonntag konnten wir für Dienstag bestellen. Ich habe schon die Schlagzeilen in der Zeitung Singapurs gesehen: Deutsches Ehepaar nach 14-tägiger Quarantäne verhungert aufgefunden.

Gut, dass mein Mann Kolleg*innen hat, die schon ein paar Tage mehr Zeit hatten, ihre Kreditkarten zum Laufen zu bringen. Einer von diesen war so nett und hat mir Geld auf die App überwiesen. Tag 2 war also auch gerettet und seit Tag 3 funktioniert die App mit PayPal. Heute, am Tag 4, kam unsere Lebensmittellieferung und jetzt sind wir erst mal versorgt.

Nicole…

… ist im Mai 2019 voller Vorfreude in das Abenteuer Shanghai gestartet und hat sich Hals über Kopf in die Millionenmetropole verliebt. Seit ihrer Ankunft bloggt sie über ihre kleinen und manchmal auch größeren Unwägbarkeiten des Alltags, über die Dinge, die sie jeden Tag wieder auf’s Neue in Erstaunen versetzen und manchmal auch einfach nur über bekannte und weniger bekannte Attraktionen, Geschichte und Geschichten rund um Shanghai. Ende Juli 2020 hat Nicole mit schwerem Herzens Shanghai verlassen. Aber nicht für immer. Sie hat in der Stadt wunderbare Freundschaften geschlossen und es gibt noch so viel zu entdecken .



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