(#85) Cappuccino mit Katze

Seit einigen Jahren gibt es auch immer mehr Katzencafés in Shanghai!

Mal wieder ein ganz verstecktes Café. Dieses Mal eines, in dem Katzen das Sagen haben. Ja, Ihr lest richtig. Inés hat ein wunderschönes, verstecktes Katzencafé entdeckt. Das „Le Chaton Coffee House“ führt links an der Kirche, dem jetzigen „Sinan Books“ Bücherladen (16 Gaolan Road, Nähe Sinan Road) vorbei. Am Ende ist eine Katze auf eine Mauer gemalt. Wenn Ihr die seht, seid Ihr richtig.

Die ersten Katzencafés gab es in Taiwan. Wirklich berühmt wurden sie aber erst, nachdem die ersten in Japan eröffneten. In dem Land, das dafür bekannt ist, dass die Menschen viel arbeiten und sich selten eine Auszeit gönnen, boomen sie.

Seit einigen Jahren gibt es auch immer mehr Katzencafés in Shanghai. Es gibt Cafés, die auf eine ganz bestimmte Rasse „spezialisiert“ sind. Cafés, in denen man Katzen adoptieren kann, sie also gleich mit nach Hause nehmen kann. Es gibt aber auch versteckte Katzencafés. Optimal für alle, die das Suchen eines Cafés stresst, denn Katzen entspannen den Menschen.

Einer amerikanischen Studie zufolge senken Katzen den Stresspegel. Streichelt man eine Katze, werden Glückshormone ausgeschüttet und gleichzeitig nimmt die Produktion von Stresshormonen ab. Verstärkt wird die Entspannung dann noch durch das Schnurren der Katze. Vorausgesetzt, man findet es. Ohne Adresse ausgeschlossen, denn das Café befindet sich im zweiten Stock eines Hauses, das von außen wie ein ganz normales Wohnhaus aussieht. Um Einlass zu bekommen, muss man klingeln und eine längere Prozedur über sich ergehen lassen. Klar, dass man im Augenblick noch den grünen Health Code vorweisen muss, aber darüber hinaus muss man die eigenen Schuhe gegen Slipper tauschen (Inés passten nur die für Männer, aber das ist für europäische Frauen in China fast normal!) und die Hände desinfizieren.

Obwohl einige Katzen in ihrem Käfig bleiben mussten, war Inés ganz angetan von den Bedingungen für die frei herumlaufenden Katzen. Die Katzen konnten sich überall frei bewegen. Einige kamen neugierig zu Inés an den Tisch, inspizierten ihre Brille und den Inhalt ihrer Tasche. Andere spielten ungezwungen miteinander. Oder haben sie sich gebalgt? Wieder andere haben das getan, was Katzen eben so tun – ihr erhabenes Einzelgängertum kultiviert. Eine lag auf dem Tresen – auf der optimalen Höhe, um alles gut im Blick zu haben. Eine andere ruhte auf einem der gemütlichen Sessel. Alle Katzen waren sauber und sahen richtig gut gepflegt und gut genährt aus.

Nachdem Inés bewiesen hatte, dass sie harmlos ist, wählte eine Katze sie aus, um sich auf ihrem Schoß niederzulassen. Zumindest für eine halbe Stunde. Dann war sie wohl ausreichend gestreichelt worden und ist sie wieder abgehauen. Vielleicht wäre sie ja länger geblieben, wenn sie vom Cappuccino hätte naschen können, aber auch bei den Lebensmitteln wird auf Hygiene geachtet. Damit die Katzen sich nicht an den Getränken und Kuchen der Besucher*innen bedienen, werden diese mit kleinen Deckelchen abgedeckt.

Die jungen Betreiber*innen und Angestellten wirkten sehr nett und umsichtig und achten im gesamten Café sehr auf Sauberkeit. Man muss keine Angst haben, mit einer halben Katze an der Kleidung hier wieder rauszugehen. Auf dem Holzdielenboden keine Staubmäuse und auch sonst scheint darauf geachtet worden zu sein, dass alles schnell und einfach sauber zu halten ist. Außerdem wird man am Ende des Besuchs abgebürstet, damit auch wirklich kein einziges Katzenhaar an einem hängen bleibt. Trotz aller Zweckmäßigkeit ist das Café aber dennoch sehr gemütlich eingerichtet. Die Sessel erinnern an Omas Wohnzimmer. Die vorrangigen Farben eher modern: schwarz, weiß und blau. An der Längsseite ein großes Wandbild mit einem Jesusmotiv. Von der Decke hängen Lampen aus den 50ern und tauchen das gesamte Café in ein gemütliches Licht.

Nicole…

… ist im Mai 2019 voller Vorfreude in das Abenteuer Shanghai gestartet und hat sich Hals über Kopf in die Millionenmetropole verliebt. Seit ihrer Ankunft bloggt sie über ihre kleinen und manchmal auch größeren Unwägbarkeiten des Alltags, über die Dinge, die sie jeden Tag wieder auf’s Neue in Erstaunen versetzen und manchmal auch einfach nur über bekannte und weniger bekannte Attraktionen, Geschichte und Geschichten rund um Shanghai. Ende Juli 2020 hat Nicole mit schwerem Herzens Shanghai verlassen. Aber nicht für immer. Sie hat in der Stadt wunderbare Freundschaften geschlossen und es gibt noch so viel zu entdecken .

Das Café existiert seit einem Jahr und scheint gut besucht, trotz des hohen Preises (man zahlt 98 RMB als Eintritt und erhält ein Getränk gratis). Wie nicht anders zu erwarten, waren auch in diesem Café hauptsächlich Frauen: Mädchen, junge Frauen sowie eine Mutter mit ihrer erwachsenen Tochter. Aber auch Paare und sogar drei junge Männer.