(#87) Cooperland

Zurück in das Shanghai der 30er Jahre!

Inés hatte in ihrer magischen App wieder mal ein Café entdeckt, das sowohl versteckt ist, als auch beste Bewertungen hat. Also, nichts wie hin. In dem kleinen Gässchen , das zu dem Café führt, stand eine junge Frau mit einem Klemmbrett. Zu Inés‘ Verwunderung, bekam sie von dieser einen kleinen Zettel, auf dem ihre Ankunftszeit notiert wurde, aber auch, wann sie das Café wieder verlassen sollte. Nach 1,5 Stunden. Nicht mehr! Denn, dieses versteckte Café ist zwar versteckt, aber gleichzeitig so gefragt, dass die Betreiber*innen beschlossen haben, die Verweildauer zu begrenzen.

Das Café ist so gemütlich und eignet sich so gut für Selfies und Poserinnen-Fotos, dass man hier locker einen ganzen Nachmittag verbringen kann. Aber ok. In 1,5 Stunden kann man einige Tassen Kaffee trinken. Zumindest ich könnte das. Die Chinesinnen, die ich in den Cafés beobachtet habe, können das nicht – unter anderem, weil sie sich und ihr Gegenüber ständig fotografieren müssen – und das ist auch der Grund für die Begrenzung.

Das Gässchen führt in einen Garten an dessen Ende ein Haus steht. Eines dieser Häuser, wie es sie im Shanghai der 30er Jahren in der French Concession ganz häufig gab. Das Haus wirkt verwunschen. Um die Fenster ranken Rosen. Ein bisschen wie bei Dornröschen, nur eben ein Haus, kein Schloss. (Und wenn die Rosen nicht mehr blühen, wird umdekoriert. Lasst Euch überraschen!)

Im Garten gedeihen allerlei Blumen. An den Wänden zu den Nachbarn wachsen Kletterpflanzen in die Höhe. In einer Ecke des Gartens ein Pavillon mit Möbeln aus Holzpaletten. Alles ist gepflegt und ein wichtiger Teil der Inszenierung. Natürlich saß niemand im Garten. Es war einfach zu heiß. August in Shanghai ist kein Vergnügen. Wer sich im August in Shanghai aufhält, versucht sich möglichst schnell von einem klimatisiertem Gebäude in das nächste zu bewegen und so wenig wie möglich draußen.

Über eine Veranda, auf der man auch wieder auf selbstgebastelten Palettenmöbeln Platz nehmen könnte, geht es ins Café. Oder soll ich sagen, in Omas Wohnstube? Denn genau so sieht es hier aus.

Es ist alles perfekt durchgestylt und so retro, dass man meinen könnte, hier wäre seit 100 Jahren nichts verändert worden. Ideal für all die jungen Frauen, die zur Zeit so verrückt sind auf dieses photogene Retro-Ambiente. Ein besonders beliebtes Motiv: Das Model lehnt sich aus dem Fenster und die Fotografin fotografiert vom Garten aus.

Aber trotz all der „Smartphone-Mädel“ hat sich Inés wirklich wohl in diesem Café gefühlt, in dem man meint, in das Shanghai der 30er Jahre zurückgereist zu sein.

Adresse: 601 Fuxing Middle Road; Täglich geöffnet von 10 am – 7 pm

Nicole…

… ist im Mai 2019 voller Vorfreude in das Abenteuer Shanghai gestartet und hat sich Hals über Kopf in die Millionenmetropole verliebt. Seit ihrer Ankunft bloggt sie über ihre kleinen und manchmal auch größeren Unwägbarkeiten des Alltags, über die Dinge, die sie jeden Tag wieder auf’s Neue in Erstaunen versetzen und manchmal auch einfach nur über bekannte und weniger bekannte Attraktionen, Geschichte und Geschichten rund um Shanghai. Ende Juli 2020 hat Nicole mit schwerem Herzens Shanghai verlassen. Aber nicht für immer. Sie hat in der Stadt wunderbare Freundschaften geschlossen und es gibt noch so viel zu entdecken .