(#19) Wasserstadt statt Künstlerdorf

Eigentlich wollten Alex und ich einen gemütlichen Tag in einer Künstlerstadt etwa eine Stunde außerhalb von Shanghai verbringen!

In dem Malerdorf Jinshan leben und arbeiten Künstler*innen aus ganz China. Denen wollten wir mal über die Schulter schauen. Einige ihrer Werke hatten wir am Samstag in der Ausstellung am Strand bereits gesehen. Als wir dann aber da waren, war alles geschlossen. Corona. (Könnt Ihr das auch langsam nicht mehr hören?!)

Aber deshalb gleich aufgeben? Wenn wir schon mal da waren, wollten wir zumindest versuchen, einen Blick auf das Dorf zu erhaschen. Das, was wir sehen konnten, hat uns überzeugt: Sobald es wieder offen ist, werden wir es auf jeden Fall noch mal versuchen.

Am Parkplatz gab es noch ein kleines Highlight für uns. Von streunenden Hunden gut bewachte, getrocknete Fische an der Leine. Eine chinesische Spezialität. Hört sich jetzt nicht spektakulär an, aber es sieht doch immer wieder interessant aus.

Jetzt hatten wir aber dennoch ziemlich viel Tag übrig. Unser weltbester Fahrer schlug vor, nach Fengjing, eine Wasserstadt ganz in der Nähe, zu fahren. Ich dachte, dass ich so langsam alle Wasserstädte gesehen hätte. Aber dem ist definitiv nicht so. Fengjing wird daher nicht die letzte sein, von der ich Euch berichte.

Fengjing liegt ganz im Südwesten von Shanghai und somit konnte ich auf dem Weg dorthin endlich auch mal eine Stadtgrenze sehen. Ich hatte schon gehört, dass aufgrund von Corona es nicht mehr so einfach ist, nach Shanghai rein zu kommen. Jetzt, da ich die Grenze gesehen habe, glaube ich es. Unser Fahrer fand es zwar etwas schräg, dass ich unbedingt ein Foto von dieser Grenze machen wollte, aber wie sonst soll ich sie Euch zeigen?

Natürlich waren auch hier alle Hauptattraktionen aufgrund von Corona geschlossen, aber allein die Stadt ist schon eine Hauptattraktion. Wir haben nichts vermisst. Fengjing ist ein herrlich verträumtes kleines Wasserstädtchen. Zu Beginn der Qing Dynastie war die Stadt berühmt für die Herstellung von Kleidung. Zum Ende der Qing wurde hier Kleie produziert und heute Kunst. Überall an den Wänden finden sich Wandmalereien, Cartoons von Ding Cong and Gemälde Cheng Shifa. Beide Künstler aus dem Malerdorf.

Was dieses Städtchen aber so anders macht als all die anderen Wasserstädte, die ich bisher gesehen habe, ist, dass sie so ursprünglich wirkt. Sie ist nicht überlaufen von Touristen. Jetzt gibt es zur Zeit auch nicht wirklich Touristen in China, aber noch nicht einmal andere Expats waren zu sehen. Die ganze Stadt wirkt so, als würden die Leute hier ihrem ganz normalen Leben nachgehen.

Ganz besonders idyllisch ist es, parallel zur Hauptstrasse, am Wasser entlang zu gehen. Große Teile des Weges sind überdacht. Links und rechts die für China so typischen roten Laternen und jetzt kurz vor den Maifeiertagen selbstverständlich überall auch hunderte chinesischer Flaggen.

Weiterlesen beim Blog „SHANGHAI AND I“


Nicole ist im Mai 2019 voller Vorfreude in das Abenteuer Shanghai gestartet und hat sich Hals über Kopf in die Millionenmetropole verliebt. Seit ihrer Ankunft bloggt sie über ihre kleinen und manchmal auch größeren Unwägbarkeiten des Alltags, über die Dinge, die sie jeden Tag wieder auf’s Neue in Erstaunen versetzen und manchmal auch einfach nur über bekannte und weniger bekannte Attraktionen, Geschichte und Geschichten rund um Shanghai.


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