(#31) Chinesische Massagen sind kein Vergnügen

Gestern war ich mal wieder bei einer Massage. Nur Füße!

Ich hatte vor einigen Monaten schon mal eine Fußmassage gehabt und wollte es offensichtlich mal wieder wissen. Übermütig habe ich mich auf eine 45 minütige Massage eingelassen. Viele, insbesondere die, die noch nie in China eine Fußmassage gemacht haben, werden jetzt denken: „Herrlich! Wie entspannend ist das denn?!“ Aber eine chinesische Fußmassage ist anders. Ebenso wie eine chinesische Ganzkörpermassage. Kein Vergnügen.

Die Fußmassage gestern fing ganz harmlos an. Wobei ich ehrlich gesagt zunächst sehr irritiert war. Ich wurde gebeten, mich auszuziehen. Ausziehen? Ich hatte ein kurzes Kleid an. Meine Füße also bis oben hin nackig. Nach einer kurzen Irritationsphase mit aufwendigem Gestikulieren, hatte ich es verstanden. Ich sollte es mir so entspannt wie nur irgend möglich machen und dazu gehörte es, dass ich eine Art Bademantel trug. 

Mit Bademantel bekleidet find es also harmlos an: Fußbad, intensive Fußreinigung, Fußpeeling und ab auf die Liege. Als die junge, recht zarte Chinesin dann aber anfing, die Füße zu kneten, war ich mir nicht mehr ganz sicher, ob es eine gute Idee gewesen war. Wir waren in Moganshan und gefühlte 10.000 Stufen ins Tal und natürlich diese 10.000 Stufen auch wieder nach oben gewandert. Meine Füße hatten also schon wirklich etwas geleistet.

Die Masseurin aber dehnte meine Füße nach links, nach rechts, nach hinten, nach vorne und dann noch die Zehen nach innen. Hört sich erst mal nicht so schlimm an. Aber es fühlte sich so an, als ob sie im nächsten Augenblick die Bandagen rausholen würde, um mir die Füße abzubinden. Ihr wisst schon, so wie man das früher hier in China mit den Füßen kleiner Mädchen gemacht hat. Ich hatte gerade in einem echt genialen Buch (Remembering Shanghai) gelesen, dass noch bis 1998 Schuhe für gebundene Füße hergestellt worden waren. Sollte ich die erste Europäerin werden, die im fortgeschrittenen Alter ihre Füße gebunden bekommt? Statt aber mir die Füße zu bandagieren, knetete die junge Frau mit ihren Fingern aus Stahlbeton lieber jeden Millimeter in meinen Füßen durch. Angefangen bei den Zehen, hat sie sich langsam zum Ballen runter gearbeitet. Mit zwei Händen. Hatte ich nach dem Druck mit dem einen Daumen gerade wieder Luft geholt, war schon der zweite Daumen in meinem Fuß.

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Nicole ist im Mai 2019 voller Vorfreude in das Abenteuer Shanghai gestartet und hat sich Hals über Kopf in die Millionenmetropole verliebt. Seit ihrer Ankunft bloggt sie über ihre kleinen und manchmal auch größeren Unwägbarkeiten des Alltags, über die Dinge, die sie jeden Tag wieder auf’s Neue in Erstaunen versetzen und manchmal auch einfach nur über bekannte und weniger bekannte Attraktionen, Geschichte und Geschichten rund um Shanghai.


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